Frauen und Gesundheit

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Frauen und Gesundheit

Alle Menschen haben ein Recht auf Gesundheit. Gute Gesundheit ist wichtig für vollen Lebensgenuss. Krankheit hingegen ist ein wichtiger Risikofaktor für Armut. [1] Das gilt für Einzelne, aber auch für ganze Staaten, die, wie Simbabwe, unter den Auswirkungen der HIV-Epidemie leiden.

Gesundheit und Ungleichheit

In Simbabwe, wie in anderen Ländern südlich der Sahara, sind Frauen relativ stark in ihrer Gesundheit beeinträchtigt: man spricht in diesem Zusammenhang von einem sogenannten «health burden», also einer Gesundheitslast. Diese Last ist stark durch Ungleichheit beeinflusst. Damit beschäftigt sich ein Bericht [2] aus dem Jahr 2016 mit Daten aus vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara (auch aus Simbabwe, für den Zeitraum 2010-2011). Nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen Frauen, gibt es grosse Ungleichheiten. Am grössten sind diese wenn es um Geburten und Schwangere geht – in ganz Afrika südlich der Sahara erhalten nur rund die Hälfte der schwangeren Frauen die grundlegendste medizinische Unterstützung. Die wichtigsten Faktoren, die diese Ungleichheiten erklären, sind Bildungsstand, die finanzielle Situation, sowie der Wohnort, bzw. die Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen. Bei jungen Frauen unter 20 ist es zudem entscheidend, ob diese verheiratet sind oder nicht – früh verheirate Mädchen haben eine deutlich höhere Gesundheitslast.

In Simbabwe sind medizinische Angebote für Schwangere nur mittelmässig ausgebaut. Dabei sind gerade gute Gesundheitssysteme für Schwangere und Gebärende also von höchster Bedeutung, um die Leben von Frauen zu schützen. In Simbabwe berichtet UNICEF von einer Sterberate von 581 Frauen auf 100‘000 Lebendgeburten. [3] Zum Vergleich: In der Schweiz sterben bei 100‘000 Geburten 7 Frauen. [4] Das Ziel der Nachhaltigen Entwicklungsziele ist ein globaler Schnitt von 30 Frauen auf 100’000. Angesichts der aktuellen Krise im öffentlichen Gesundheitswesen (man sagt, es liege im Koma), dürfte Simbabwe in den letzten Monaten grosse Rückschritte gemacht haben. Als Land mit einer sehr hohen Rate an HIV-infizierten sind in Simbabwe ist immerhin der Zugang zu Familienplanung und zu HIV-Tests in Simbabwe relativ gut. Die HIV-Ansteckungsquote betrug 2018 in Simbabwe 12.7% (der 15-49-jährigen). [5] Wenngleich der Wert gesunken ist, bleibt die Zahl weiterhin hoch. Dabei sind die jungen Frauen von einem besonders hohen Infektionsrisiko betroffen: auf einen jungen Mann, der sich infiziert, kommen heute 2.5 Mädchen und junge Frauen.

Gesundheit und Geschlechternormen

Patriarchale Geschlechtsbilder und –vorstellungen haben, genau wie soziale Ungerechtigkeit, auch eine Auswirkung auf die weibliche Gesundheit. Im Fall von HIV hängt dies vor allem mit der hohen Exposition junger Frauen gegenüber älteren Männern zusammen. Viele Frauen leisten gelegentlich Sexarbeit und sind dann einem hohen Risiko ausgesetzt. Nicht nur, dass Freier Kondome ablehnen. Oft ist es auch die Polizei, die die Frauen belästigt. [6] Rund die Hälfte der regelmässigen Sex-Arbeiterinnen trägt das HI-Virus in sich.

Abhilfe dank Normveränderung…

Eine im Dezember 2019 im Fachmagazin Lancet publizierte Vergleichsstudie untersuchte Programme, die Gesundheitsinterventionen mit einem Engagement gegen Geschlechterungleichheit kombinierten und die dank umfassender Evaluation wichtige Einblicke im Hinblick auf zukünftige Massnahmen ermöglichen. [7] Laut den AutorInnen zeichnet sich ab, dass Ansätze besonders erfolgsversprechend sind, wenn sie

  • Mehrere Sektoren involvieren (also Zivilgesellschaft, Regierung und Privaten einbeziehen)
  • Auf verschiedenen Ebenen und durch verschiedene Akteure handeln (also zum Beispiel in den Gemeinschaften und im übergeordneten Gesetzesraum agieren)
  • Vielseitige Aktivitäten verbinden
  • aktive Teilnahme und sogar Ermächtigung beinhalten

Die Studie weist besonders auf die Grenzen von Programmen hin, die sich fast ausschliesslich auf die Gesundheit  und Gleichstellung von Individuen konzentrierten. Hier besteht sogar eine gewisse Gefahr eines Backlashs sowohl für die Einzelnen, als auch insgesamt. Darum, so die Studie, würden «gesellschaftliche und strukturelle Elemente restriktiver Geschlechternormen die Anstrengungen untergraben… und Verbesserungen der Gesundheit ausserhalb holistischer, systemischer Ansätze erschweren.» Oder einfacher: Wer an den gesellschaftlich verankerten Normen rüttelt, wird langfristig mehr Erfolg haben.

… und aktiver Mitwirkung der Menschen

Aber eben: Normen lassen sich auch nicht verordnen. Also bleiben die Mitglieder der Zielgruppen wichtig: Sie müssen gemäss der Studie im Lancet involviert werden, denn ihre gemeinsame Reflektion in der Gruppe und Gemeinschaft ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg.

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Fussnoten und links

[1] Vgl. «Health for all within a Generation», Manifest von MMS-Netzwerks (Medicus Mundi Schweiz)

[2] Inequalities in Women’s And Girls’ Health Opportunities And Outcomes: A report from Sub-Saharan Africa

[3] UNICEF, Report

[4] NZZ vom 8.10.2006

[5] UNAIDS 2019

[6] https://www.avert.org/professionals/hiv-around-world/sub-saharan-africa/zimbabwe

[7] Characteristics Of Successful Programmes Targeting Gender Inequality And Restrictive Gender Norms For The Health And Wellbeing Of Children, Adolescents, And Young Adults: A Systematic Review